Das zweite ECM-Album des Tomasz Stanko Quartetts in polnisch-schwedisch-britischer Besetzung erschien nach dem hochgelobten "Matka Joanna". Wie das Jazz Journal feststellte, sei Stankos beeindruckende Tonfülle und sein Gespür für poetische, kreuzrhythmische Dramatik unvergleichlich. "Leosia" stellt einen weiteren künstlerischen Schritt dar: Sechs Stanko-Kompositionen in einem düsteren, slawisch gefärbten Stil, der sogar dunkler als Miles Davis wirkt, werden hier verarbeitet. Zudem enthält das Album eine Hommage an Lautréamont, den Fürsten der literarischen Finsternis, sowie mutige und experimentelle Improvisationen im Duo und Trio, ergänzt durch herausragende Soli aller Mitglieder. Die Band zeichnet sich durch eine außergewöhnliche idiomatische Geschlossenheit aus und fasst auf originelle Weise zahlreiche bedeutende Jazzentwicklungen der letzten drei Jahrzehnte zusammen. Stanko jedoch meidet bewusst den Trend der 1990er, Jazzstandards neu zu interpretieren. Seine gebrochenen Töne, Glissandi, klanglichen Ausbrüche und kraftvollen Fanfaren erschaffen eine eigenständige Ensemblemusik.