Das neue Doppelalbum von Jan Garbarek ist ein beeindruckendes Hauptwerk, das mit dem Titel "Rites" äußerst passend gewählt wurde. Der Name verweist sowohl auf Initiationen und Rituale als auch auf das Archaische und Magische, wobei die Idee der "Übergangsriten" ebenfalls mitschwingt. Der norwegische Saxophonist verknüpft in seiner Auswahl der Kompositionen prägende Stationen und Einflüsse aus seinem eigenen Werdegang wie auch aus dem Leben seiner musikalischen Begleiter. Das Album enthält eine Hommage an Don Cherry sowie Neuinterpretationen bekannter Garbarek-Werke wie "Es ist in Ordnung, der grauen Stimme zuzuhören" und "So sanft der Wind, so sanft das Wasser". Darüber hinaus finden sich zahlreiche Anklänge an verschiedene Musiktraditionen aus aller Welt – von norwegischen bis indischen Einflüssen. Erwähnenswert ist zudem die musikalische Umsetzung eines indianischen Gedichts für Stimmen und Saxophon sowie die überraschende Integration von Jansug Kakhidzes "Der Mond über Mtatsminda", gesungen vom Komponisten selbst und begleitet vom Tbilisi Symphony Orchestra. Insgesamt präsentiert sich hier Garbareks bisher vielseitigste Produktion, und sein nuancenreiches Saxophonspiel wirkt so überzeugend wie nie zuvor.