Zu den Inhalten springen
Dufay: Music for St James the Greater

Dufay: Music for St James the Greater

The Binchois Consort, Andrew Kirkman

Dauer 67 Min

Album insights

Von Franz Liszt existieren insgesamt vier Messvertonungen, wobei die Missa Choralis als dritte entstandene Komposition zählt. Sie wurde 1865 geschaffen und ist für gemischten Chor sowie Orgel konzipiert, im Unterschied zu seinen anderen Messen, die ein vollständiges Orchester erfordern. Die Entstehung dieses Werkes fällt in Liszts Romaufenthalt, ein Jahr, in dem er als Abbé Liszt Teil des katholischen Klerus wurde.

Die Akzeptanz von Liszt als Schöpfer kirchlicher Musik war zu seinen Lebzeiten nicht unumstritten. Viele Zeitgenossen zeigten sich überrascht, als sich der zuvor als weltlich geltende Komponist der Religion zuwandte. Heutzutage werden Liszts Werke unabhängig von seiner Biografie betrachtet. Für seinen sakralen Stil waren vor allem seine Bestrebungen zur musikalischen Reform und die Rückbesinnung auf den Choral prägend, wodurch Liszts künstlerische Entwicklung maßgeblich beeinflusst wurde.

Das Zusammentreffen mit Kardinal Hohenlohe im Jahr 1859 führte zu intensiven Gesprächen über die Erneuerung der Kirchenmusik. Diese Diskussionen bildeten die Grundlage für Liszts Wiedereinführung des Chorals, der seine geistlichen Werke stark beeinflusste. Die Missa Choralis vereint Elemente des Chorals und der Palestrina-Tradition und verdeutlicht Liszts reformatorische Absichten.

Die Missa Choralis besticht durch eine klangliche Raffinesse: Charakteristisch sind die Tonarten d-Moll und D-Dur, kontrastreiche Passagen im Gloria sowie expressiv gestaltete Abschnitte im Sanctus und Benedictus, die die kompositorische Meisterschaft Liszts unterstreichen. Die Innovationskraft und Eigenständigkeit dieser Messe belegen Liszts schöpferische Größe im Bereich der Kirchenmusik.

Ein weiteres zentrales Werk ist Via Crucis, das Liszts Beschäftigung mit dem Kreuzweg Christi widerspiegelt. Die Vertonung der vierzehn Kreuzwegstationen zeigt eine eindrucksvolle musikalische Umsetzung mit vielfältigen harmonischen Mitteln und expressiven Gestaltungsformen. Durch die musikalische Darstellung der Passion bringt Liszt sein tiefes Verständnis religiöser Themen sowie seine innovative Kompositionsweise zum Ausdruck.

Via Crucis steht exemplarisch für Liszts programmatischen Ansatz und seine Fähigkeit, theologische Inhalte musikalisch zu kommentieren. Die Verwendung symbolischer Themen wie dem Kreuzmotiv sowie die Einbindung von Choraltexten wie „O Crux Ave“ verdeutlichen Liszts intensive künstlerische und spirituelle Auseinandersetzung. Die unmittelbare und kraftvolle Tonsprache macht das Werk zu einer bewegenden Reflexion über den Glauben.

Sowohl die Missa Choralis als auch Via Crucis belegen Liszts außergewöhnliche Begabung, religiöse Inhalte musikalisch zu gestalten. Seine Innovationsfreude und Ausdrucksstärke haben entscheidend zu seinem Ansehen als bedeutender Komponist der Spätromantik beigetragen.