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Ist es angemessen, dass Barockmusik derart verführerisch wirkt? Eine klagende Sopranstimme schwebt über einer Instrumentalkomposition von Giovanni Girolamo Kapsberger. Eine Passacaglia wird von Flamenco-Rhythmen untermalt. Dann erscheinen unvermittelt die charakteristischen Harmonien und Ornamente keltischer Volksmusik. Hat diese Musik im frühen Italien des 17. Jahrhunderts tatsächlich so geklungen? Gewiss nicht. Aber die Darbietung des norwegischen Lautenisten und Gitarristen Rolf Lislevand mit seinen sechs Mitmusikern auf ihrem ECM-Erstlingswerk "Nuove musiche" erscheint wie ein künstlerisches Manifest. Ihre dynamischen und buchstäblich noch nie gehörten Interpretationen frühbarocker italienischer Musik sollen das Publikum unmittelbar ergreifen, als handele es sich wahrhaftig um 'neue Musik'.